Diagnostik
  das Dilemma bei somatoformen Störungen
Einweisungsdiagnose "Somatoforme Störung"

Die Einweisungsdiagnose "Somatoforme Störung" entbindet nicht von der Notwendigkeit einer gründlichen körperlichen Diagnostik.

Experten schätzen, dass 80 Prozent der Bevölkerung zeitweise unter einer somatoformen Erkrankung leiden. In der Regel klingen die Beschwerden nach einigen Wochen wieder ab, so dass sich umfangreiche Untersuchungen erübrigen. Bei einigen Patienten werden die Symptome jedoch chronisch und der Gang zum Arzt ist unvermeidlich. Doch die Suche nach der Ursache gestaltet sich schwierig. Laborwerte sind unauffällig und eine Schädigung bzw. Funktionsstörung eines Organs kann nicht festgestellt werden. Für Arzt und Patient ist dies nicht selten ein Dilemma: für den Arzt, weil ihm keine adäquate Therapie zur Verfügung steht, um die Beschwerden ursächlich zu behandeln; für den Patienten, weil er sich die Schmerzen, Herzrhythmusstörungen oder Magen- Darm-Beschwerden nicht einbildet sondern tatsächlich und nachweisbar Beschwerden hat.

 

Neigung zur Selbsbeobachtung bei somatoformen Störungen mündet oftmals in einen Teufelskreis der Beunruhigung

Die Neigung zur Selbstbeobachtung mündet oftmals in einen Teufelskreis der Beunruhigung.

Genau hier beginnt oftmals ein Teufelskreis. Um dem Arzt mehr Anhaltspunkte für eine Diagnose und damit für eine Therapie zu geben, beginnen viele Patienten, sich selbst sehr genau zu beobachten und verstärken damit ungewollt und unbewusst ihre Symptome, da das vegetative Nervensystem auch vom seelischen Befinden beeinflusst wird.

 

Ziel des Fachklinikums Brandis ist es, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und die Beschwerden und ihre Ursachen zu behandeln. An erster Stelle steht hierzu eine ausführliche Diagnostik. Dazu gehören neben einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch ebenso Labor- und Funktionsuntersuchungen. In diesem Prozess müssen zumeist Spezialisten aus verschiedenen medizinischen Fachbereichen einbezogen werden – im Fachklinikum Brandis arbeiten diese Spezialisten unter einem Dach zusammen.

Folgende diagnostische Möglichkeiten stehen zur Verfügung:

Neurologisch orientierte Diagnostik

  • Routine-EEG mit allen Provokationsmöglichkeiten
  • EMG-Einheit / ENG
  • Evozierte Potenziale
  • Elektrophysiologische Hirnstammreflexe

Internistisch orientierte Diagnostik

  • EKG, Langzeit-EKG, Ergometrie
  • Oxyergometrie
  • Herzfrequenzvariabilitätsanalyse
  • Langzeitblutdruckmessung
  • Sonographie, speziell Oberbauchorgane und Schilddrüse
  • Echokardiographie
  • Doppleruntersuchung der arteriellen und
    venösen Blutgefäße sowie der extracraniellen Hirnversorgung
  • Lungenfunktionsprüfung einschl. Bodyplethysmographie
    mit Diffusionsanalyse

 

Fachübergreifende Diagnostik

  • Röntgendiagnostik
  • Sonographie bei Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Klinisch-chemisches Labor (inkl. Stoffwechsel
    und Hämatologie) im Haus
  • Posturographie
  • Sauerstoff-Monitoring
  • Schlafapnoe-Screening
  • IPR-Messsystem (intraorale, kraftabhängige Registration zur Bestimmung der neuromuskulären Leistung des Unterkiefers)
  • Audiometrie-Einheit
  • Neuropsychologische Diagnostik
  • Sprach- und Stimmdiagnostik

 



Autor: Dr. med. Volker Rust